Dum Dum Girls – Too True [2014]

Dum Dum Girls – Too True

**½

Die Dum Dum Girls haben nie ein großes Geheimnis um ihre Uneigenständigkeit gemacht. „I wanted my band to sound like the girls who went out with the Ramones“, verkündete Gitarristin, Sängerin und Bandchefin Dee Dee Penny zur Veröffentlichung der Debüt-LP I Will Be vor vier Jahren. Außerdem regelmäßig im Namechecking vertreten: die Ronettes, The Jesus and Mary Chain und The Smiths, womit man den Wesenszügen der Band sehr nahe kommt. Pop-Songs will Penny schreiben, laute Gitarren um sie herum basteln, ihnen Weltschmerz injizieren, sich dabei aber um jeden Preis die für eine Rock’n’Roll-Band angebrachte Coolness bewahren. 2011 und 2012 fand diese Mélange ihren Höhepunkt auf der LP Only in Dreams und der End of Daze-EP, auf denen hochwertige Pop-Songs mit der gerade richtigen Balance aus Garage-Band und Wall of Sound umgesetzt wurden.

Nun erschien die dritte LP der New Yorker; produziert von Penny selbst sowie den bisherigen Dum Dum Girls-Kollaborateuren Richard Gottehrer, der zu CBGB’s-Zeiten Blondie und Richard Hell and the Voidoids produzierte, und Sune Rose Wagner von den Raveonettes. Too True führt die Band nun vollends aus der Garage, in der sie einst begann. Klanglich liegen Welten zwischen I Will Be und der Hochglanzproduktion des neuen Albums. Im Songwriting schlägt Penny, die die Songs zusammen mit Wagner im Alleingang einspielte, wieder stärker in eine melancholisch-adoleszente Kerbe und reiht sich dadurch einmal mehr in die Reihen ihrer Vorbilder ein. Dabei hatte sie erst mit Only in Dreams ein den Tod ihrer Mutter verarbeitendes Album gemacht, das der ihrer Musik alleine schon durch die Poplastigkeit ihrer Einflüsse innewohnenden Sehnsuchts-Thematik aus einem reiferen Blickwinkel begegnete.

Ihre Vorbilder und deren emotionales Vokabular sind auf Too True die einzigen Bezugspunkte, die sich Penny für ihr Songwriting setzt. Das wird vor allem deswegen zum Problem, weil sie als Texterin die Eleganz eines Morrissey vermissen lässt, auf den sich das titelgebende Wortspiel „Too true to be good“ stilistisch leicht zurückführen lässt (Später fällt auch die Zeile „We are hand in glove“). Wiederholt fühlt sie die Schablonen, die die Pop-Geschichte dem angsty Teen-Pop-Song vorgelegt hat, aus und bemüht sich um die ihm typische Überdramatisierung identifikationsstiftender Konzepte und der Probleme, auf die diese reagieren oder die von ihnen ausgehen. Das Problem: Auf ihrem dritten Album schafft sie es erstmals nicht, die letzte Hürde, die einem referenziellen Pop-Song über eine bloße Hommage hinausgehende Qualitäten gibt, zu bezwingen. Dafür sind ihre Songs dieses Mal nicht gut genug.

Die großartigen Melodien, von denen es auf älteren Dum Dum Girls-Releases nur so wimmelte, sind seltener geworden, auch wenn Penny ihre Qualitäten als verführerische Pop-Performerin unbenommen bleiben. Doch vor allem ihre Lyrics treten auf der Stelle. Die Clique bekümmerter, unverstandener Teenager, von der sie singt, betitelt sie mal als Cult of Love, mal als Lost Boys and Girls Club, und bedient das „Good girl gone bad“-Klischee mit Zeilen wie „Why be good? / Be beautiful and sad / It’s all you ever had“ oder Titeln wie Trouble Is My Name etwas zu bereitwillig. An anderer Stelle singt sie „The void in my head / The hole in my heart / I fill them with things / which all fall apart“ und es stellt sich die Frage, wie solche Allgemeinplätze der menschlichen Emotionswelt derart unausgefüllt irgendjemanden berühren sollen. Man merkt deutlich, dass Penny die poetischen Fertigkeiten fehlen, die dafür sorgten, dass Texter wie Morrissey, Ian Curtis oder Patti Smith, mit ihren ebenfalls höchst referenziellen Texten eigene Kapitel der Pop-Lyrik aufschlugen, statt vergangene noch einmal bloß zu wiederholen.

Dee Dee Penny trägt ihr Pop-Herz dennoch am richtigen Fleck und die Dum Dum Girls bleiben eine der sympathischsten Instanzen gerade im gitarrenlastigen Indie Pop jüngeren Datums. Es ist denkbar, dass das mit ihrem selbstlosen Kreativkonzept zusammenhängt, weil sie uns dadurch genau wissen lassen, woran wir an ihnen sind. Allerdings erweckt Too True den Eindruck, dass die Reise mit etwas weniger Selbstlosigkeit zu interessanteren Orten geführt hätte. Wer sich zu sehr hinter seinen Vorbildern versteckt, verleidet anderen die Lust, nach ihm zu suchen.

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=Lg-FQbQW6e8]
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Eine Antwort zu “Dum Dum Girls – Too True [2014]

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