Beach House – Devotion [2008]

Beach House – Devotion

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Obwohl bereits ihr selbstbetiteltes Debütalbum und sein Nachfolger Devotion überwiegend euphorische Kritiken einfahren konnten, brachte erst Teen Dream, das dritte Album von Beach House, den Durchbruch des Dream-Pop-Duos aus Baltimore. Teen Dream ist, kurz gesagt, ein Meisterwerk. Es gibt wenig Musik, die einen derart direkten Zugang zu fast schon purer Ästhetik findet und dadurch so formvollendet schön ist. Der Sound setzt auf Fülle, er ist umfassend und einlullend. Diese Eigenschaften teilt er sich mit My Bloody Valentines Loveless, dem Referenzwerk des Shoegaze. Doch Teen Dream verzichtet auf Noise. Bei aller Majestätik ist diese Wall of Sound weich und nah.

Darin befindet sich der Hauptunterschied zu Devotion, das sich wie das Debüt in der öffentlichen Wahrnehmung zwar hinter den letzten beiden Alben anstellen, aber dennoch nicht verstecken muss. Devotion lässt genau den Raum, den Teen Dream ausfüllt und abdichtet, unberührt. Es lässt Distanz zu. Es entsteht ein Echo, das etwas zur Priorität erhebt, das auf Teen Dream und Bloom eher sekundär stattfindet: Mystik. Paradoxerweise klingen Beach House hier aber unschuldiger, als sie es heute tun.

Das liegt zum einen an den süßeren Melodien, dem unausgereifteren Sound und dem weniger dominanten Einsatz von Alex Scallys Jangle-Gitarren, die trotzdem einen herben Gegenpol zur Orgel bilden. Es liegt aber auch daran, dass Victoria Legrand ihre androgyne Stimme mädchenhafter einsetzt und ihre schon hier vagen Texte mit einer Bildsprache anreichert, der etwas Kindlich-Naives innewohnt, das sich auch in den Reimen selbst niederschlägt. Point in case: „I was sitting on a rock / just waiting for the key / to sleep inside the house / of old serenity“ (All the Years).

Das Ergebnis ist eine Klangwelt, die mehr Souvlaki ist als Loveless, aber neben den völlig unterschiedlichen Instrumentalarrangements auch dessen Schwermütigkeit hinter sich gelassen hat. Oder um eine Band ins Spiel zu bringen, von der auch heute noch in jeder dritten Beach House-Review zu lesen ist, obwohl sie als Referenz nur für Beach House und Devotion angemessen war: Als hätten etwas kindlichere Cocteau Twins das Feuer außerhalb ihrer Höhle entdeckt. Und hier liegt der Reiz dieses Albums: Bei aller Distanz ist es warm, bei aller Mystik unschuldig und verspielt. Vermutlich ist diese Paradoxität der Schlüssel zu der Faszination, die es auslösen kann. „Vermutlich“, weil immer noch genug Schatten übrig ist, sodass man sich nie vollends sicher sein kann. Aber ganz so genau will man das auch gar nicht wissen.

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